Verursachen Silikonimplantate Brustkrebs? Ein Experte klärt auf

Standard-Silikonimplantate erhöhen nach heutigem Wissensstand nicht das Brustkrebsrisiko. Wichtig bleiben Mammografie, Kontrollen und Warnzeichen.

21.07.2026 - 18:20
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Verursachen Silikonimplantate Brustkrebs? Ein Experte klärt auf

Bilge Türk | Traumdeutung

İZMIR, TÜRKEI — Standardmäßige Silikonimplantate erhöhen nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht das Risiko für gewöhnlichen Brustkrebs; regelmäßige Vorsorge und die Kontrolle möglicher Implantatkomplikationen bleiben dennoch wichtig.

Brustimplantate werden sowohl zur ästhetischen Vergrößerung als auch zur Korrektur angeborener Formunterschiede oder zum Wiederaufbau der Brust nach einer Krebsoperation eingesetzt. Gleichzeitig kursieren zahlreiche falsche Vorstellungen über Krebsrisiken, Mammografie, Stillfähigkeit und die Lebensdauer der Implantate.

Der Facharzt für diagnostische Radiologie Dr. Aresh Soudmand vom Batıgöz Gesundheitszentrum Balçova erklärte, welche medizinischen Kontrollen notwendig sind und bei welchen Veränderungen Betroffene ärztlichen Rat einholen sollten.

Standardimplantate erhöhen das gewöhnliche Brustkrebsrisiko nicht

Eine der häufigsten Fragen lautet, ob Silikonimplantate Brustkrebs verursachen können.

Soudmand zufolge zeigen die derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht, dass übliche Silikongelimplantate das Risiko für einen in der Brustdrüse entstehenden Brustkrebs erhöhen. Auch die US-amerikanische Arzneimittel- und Medizinproduktebehörde FDA beschreibt keinen nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Silikongelimplantaten und gewöhnlichem Brustkrebs.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Brustimplantate völlig risikofrei sind. Zu den bekannten möglichen Komplikationen gehören Infektionen, Schmerzen, Verhärtungen des Narbengewebes, Veränderungen der Implantatposition und Rupturen. Manche dieser Probleme können einen weiteren chirurgischen Eingriff erforderlich machen.

Patientinnen sollten sich deshalb vor einer Operation nicht nur über das gewünschte ästhetische Ergebnis, sondern auch über mögliche Folgeoperationen und die langfristige Nachsorge informieren.

BIA-ALCL ist kein klassischer Brustkrebs

Besondere Aufmerksamkeit erhielt in den vergangenen Jahren das brustimplantatassoziierte anaplastische großzellige Lymphom, kurz BIA-ALCL.

Dabei handelt es sich nicht um klassischen Brustkrebs, sondern um eine seltene Form eines Non-Hodgkin-Lymphoms. Die Erkrankung entsteht gewöhnlich in der Flüssigkeit oder im Narbengewebe, das sich um das Implantat bildet.

Nach Angaben der FDA tritt BIA-ALCL häufiger in Verbindung mit Implantaten mit texturierter, also aufgerauter Oberfläche auf als bei Implantaten mit glatter Oberfläche. Ob das Implantat mit Silikongel oder Kochsalzlösung gefüllt ist, gilt dagegen nicht als der entscheidende Risikofaktor.

Zu den möglichen Warnzeichen zählen eine neu auftretende und anhaltende Schwellung, Flüssigkeitsansammlung, Schmerzen, eine tastbare Verhärtung oder eine deutliche Formveränderung der Brust. Solche Beschwerden können auch Jahre nach der Implantation auftreten und sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden.

Das Vorhandensein eines Implantats bedeutet jedoch nicht, dass die Patientin an BIA-ALCL erkranken wird. Bei beschwerdefreien Frauen wird eine vorsorgliche Entfernung allein aus Angst vor dieser seltenen Erkrankung im Allgemeinen nicht empfohlen. Entscheidend sind Implantattyp, Beschwerden und die persönliche medizinische Vorgeschichte.

Mammografie ist auch mit Implantaten möglich

Die Annahme, Frauen mit Brustimplantaten dürften keine Mammografie erhalten, ist falsch.

Soudmand betonte, dass die reguläre Brustkrebsvorsorge entsprechend dem Alter und dem individuellen Risikoprofil fortgesetzt werden sollte. Bereits bei der Terminvereinbarung und erneut vor der Untersuchung muss das radiologische Personal über die Implantate informiert werden.

Sowohl Silikon- als auch Kochsalzimplantate können einen Teil des Brustgewebes auf den üblichen Mammografieaufnahmen verdecken. Deshalb werden häufig zusätzliche sogenannte Implantatverdrängungsaufnahmen angefertigt. Dabei wird das Implantat vorsichtig in Richtung Brustwand verschoben, während das natürliche Brustgewebe für die Aufnahme nach vorn gezogen wird.

Bei Patientinnen mit Implantaten werden üblicherweise vier zusätzliche Aufnahmen angefertigt, jeweils zwei pro Brust. Dadurch kann ein größerer Anteil des Brustgewebes beurteilt werden.

Nach einem vollständigen Wiederaufbau der Brust infolge einer Mastektomie kann die Vorsorge anders aussehen. Ob eine routinemäßige Mammografie des rekonstruierten Bereichs erforderlich ist, hängt von der Art der vorherigen Operation und der individuellen onkologischen Situation ab.

Kann eine Mammografie das Implantat beschädigen?

Viele Patientinnen befürchten, dass der bei einer Mammografie ausgeübte Druck das Implantat zum Platzen bringen könnte.

Bei fachgerechter Durchführung durch ein erfahrenes Team ist eine Beschädigung nicht zu erwarten. Eine Ruptur während einer Mammografie wurde zwar in seltenen Fällen beschrieben, gehört jedoch nicht zu den typischen Folgen der Untersuchung.

Das radiologische Personal muss über das Implantat informiert sein, damit Positionierung und Kompression entsprechend angepasst werden können. Bestehende Schmerzen, eine Verhärtung oder eine bereits bemerkte Formveränderung sollten ebenfalls vor Beginn der Untersuchung angesprochen werden.

Das Alter und der Zustand des Implantats können eine Rolle spielen. Ein bereits geschwächtes oder beschädigtes Implantat ist möglicherweise empfindlicher als ein intaktes Implantat.

Die Angst vor einer möglichen Ruptur sollte dennoch kein Grund sein, eine medizinisch empfohlene Brustkrebsvorsorge auszulassen. Frauen sollten möglichst eine radiologische Einrichtung wählen, die Erfahrung mit der Untersuchung von Patientinnen mit Implantaten hat.

Ultraschall und MRT prüfen Implantat und umliegendes Gewebe

Die Mammografie dient in erster Linie der Untersuchung des Brustgewebes auf verdächtige Veränderungen. Ultraschall und Magnetresonanztomografie können ergänzend eingesetzt werden, um das Implantat und das umliegende Gewebe zu beurteilen.

Mit einer Ultraschalluntersuchung lassen sich unter anderem Flüssigkeitsansammlungen, Veränderungen der Kapsel und manche Formen einer Implantatbeschädigung erkennen. Bei dichtem Brustgewebe kann Ultraschall je nach Risikoprofil und Befund zusätzlich zur Mammografie eingesetzt werden.

Eine Ruptur eines Silikongelimplantats verursacht nicht immer Schmerzen oder eine sichtbare Formveränderung. Eine solche unbemerkte Beschädigung wird als „stille Ruptur“ bezeichnet. Ein Brust-MRT kann zur Untersuchung möglicher Leckagen oder Rupturen von Silikonimplantaten verwendet werden.

Die aktuellen FDA-Empfehlungen sehen für beschwerdefreie Patientinnen mit Silikongelimplantaten eine erste Ultraschall- oder MRT-Kontrolle fünf bis sechs Jahre nach der Operation vor. Danach wird eine Untersuchung im Abstand von zwei bis drei Jahren empfohlen. Bei Beschwerden oder unklaren Ultraschallergebnissen kann ein MRT notwendig sein.

Diese Zeitabstände stammen aus US-amerikanischen Empfehlungen. Der persönliche Kontrollplan sollte mit der behandelnden Chirurgin beziehungsweise dem behandelnden Chirurgen und der Radiologie abgestimmt werden.

Eine Kapselfibrose kann Schmerzen und Verformungen verursachen

Nach dem Einsetzen eines Implantats bildet der Körper natürlicherweise eine dünne Schicht aus Narbengewebe darum. Diese Hülle wird als Kapsel bezeichnet und gehört zunächst zum normalen Heilungsprozess.

Bei manchen Patientinnen verdickt oder verhärtet sich das Gewebe jedoch und beginnt, das Implantat zusammenzudrücken. Diese Komplikation wird als Kapselfibrose oder Kapselkontraktur bezeichnet.

Mögliche Folgen sind eine ungewöhnlich feste Brust, Schmerzen, Verformung, Asymmetrie oder eine Veränderung der Implantatposition. Schwere Formen können eine Operation erforderlich machen, bei der das Narbengewebe gelöst oder entfernt und das Implantat ausgetauscht oder herausgenommen wird.

Neu auftretende Verhärtungen, Rötungen, Schwellungen, Überwärmung, Knoten oder dauerhafte Schmerzen sollten nicht bis zum nächsten Routinetermin unbeachtet bleiben.

Stillen ist mit Brustimplantaten häufig weiterhin möglich

Ein Brustimplantat verhindert das Stillen nicht grundsätzlich. Ob ausreichend Muttermilch produziert werden kann, hängt unter anderem von der Operationsmethode, dem Ort des Hautschnitts und der Position des Implantats ab.

Bei der Operation können Nerven oder Milchgänge beeinträchtigt werden. Implantate unterhalb des Brustmuskels wirken sich nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC gewöhnlich weniger auf die Milchproduktion aus als Implantate oberhalb des Muskels. Schnitte unmittelbar um den Brustwarzenhof können dagegen ein höheres Risiko für eine Beeinträchtigung von Nerven und Milchgängen mit sich bringen.

Viele Frauen können nach einer Brustoperation zumindest teilweise stillen. Bei manchen reicht die Milchmenge jedoch nicht für eine vollständige Ernährung des Säuglings aus.

Frauen mit Kinderwunsch sollten ihre Stillpläne möglichst vor der Operation mit dem chirurgischen Team besprechen. Nach der Geburt sollte insbesondere bei möglicher geringer Milchproduktion die Gewichtsentwicklung des Kindes kontrolliert werden.

Es gibt keine feste Austauschfrist für jedes Implantat

Die häufig wiederholte Aussage, jedes Brustimplantat müsse automatisch nach zehn Jahren ausgetauscht werden, ist zu pauschal.

Es gibt keine einheitliche Frist, die für alle Patientinnen gilt. Ein intaktes Implantat kann über viele Jahre im Körper bleiben, sofern keine medizinischen Beschwerden oder unerwünschten ästhetischen Veränderungen auftreten.

Brustimplantate gelten jedoch nicht als lebenslange Medizinprodukte. Je länger sie im Körper bleiben, desto größer wird grundsätzlich die Wahrscheinlichkeit einer Komplikation oder einer weiteren Operation. Wann ein Austausch notwendig wird, lässt sich nicht im Voraus zuverlässig bestimmen.

Gründe für eine Entfernung oder einen Austausch können eine Ruptur, Infektion, schmerzhafte Kapselfibrose, dauerhafte Beschwerden, eine Verschiebung des Implantats oder der Wunsch nach einer ästhetischen Veränderung sein.

Regelmäßige Kontrollen dürfen nicht vernachlässigt werden

Soudmand wies darauf hin, dass Frauen mit Brustimplantaten sowohl die allgemeine Brustkrebsvorsorge als auch die Kontrolle des Implantatzustands fortsetzen sollten.

Der individuelle Nachsorgeplan richtet sich nach dem Alter, der familiären Krebsbelastung, der Dichte des Brustgewebes, der Art und Oberfläche des Implantats, dem Operationsverlauf und möglichen Beschwerden.

Das Implantat selbst ersetzt keine Brustuntersuchung und ist auch kein Grund, eine Mammografie hinauszuschieben. Gleichzeitig sollte jede neue Veränderung ernst genommen werden.

Besonders bei einseitiger Schwellung, anhaltenden Schmerzen, Verhärtung, Flüssigkeitsansammlung, einem tastbaren Knoten oder einer deutlichen Veränderung der Brustform ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen medizinischen Information. Er ersetzt keine persönliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung durch qualifiziertes medizinisches Fachpersonal.

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