Lebensmittelvergiftung im Sommer: Zwölf Regeln für sicheren Genuss
Hohe Temperaturen erhöhen das Risiko für Lebensmittelvergiftungen. Experten nennen zwölf Regeln zu Hygiene, Kühlung, Zubereitung, Wasser und Eis.
Bilge Türk | Traumdeutung
ISTANBUL, TÜRKEI — Hohe Temperaturen, falsch gelagerte Speisen sowie unsicheres Trinkwasser oder Eis können das Risiko einer Lebensmittelvergiftung in den Sommermonaten deutlich erhöhen.
Nach aktuellen Angaben der Weltgesundheitsorganisation erkranken weltweit jährlich schätzungsweise 866 Millionen Menschen nach dem Verzehr verunreinigter Lebensmittel. Rund 1,52 Millionen Menschen sterben an den Folgen, während Kinder unter fünf Jahren fast ein Drittel aller Fälle tragen.
Dr. Yusuf Emre Uzun, Facharzt für Innere Medizin am Acıbadem Maslak Hospital, erklärte, dass Lebensmittelvergiftungen durch Speisen oder Getränke entstehen können, die mit Bakterien, Viren, Parasiten oder von Mikroorganismen gebildeten Giftstoffen verunreinigt sind.
Mit steigenden Temperaturen können sich Krankheitserreger schneller vermehren. Unsachgemäße Lagerung, eine unterbrochene Kühlkette sowie verunreinigtes Wasser oder Eis gehören nach Angaben Uzuns zu den wichtigsten Ursachen für den Anstieg im Sommer.
Als drei grundlegende Schutzmaßnahmen nannte der Mediziner eine konsequente Handhygiene, den Verzehr sicherer Lebensmittel und die Einhaltung geeigneter Lagerbedingungen.
Warum das Risiko im Sommer zunimmt
Lebensmittel verderben bei warmem Wetter schneller. Besonders empfindlich sind Fleisch, Geflügel, Fisch, Milchprodukte, Eier, gekochte Speisen und Lebensmittel, die längere Zeit ungekühlt angeboten werden.
Mikroorganismen können sich vermehren, ohne dass sich Geruch, Geschmack oder Aussehen eines Lebensmittels deutlich verändern. Ein unauffälliger Eindruck bedeutet deshalb nicht automatisch, dass eine Speise sicher ist.
Gefährlich kann es insbesondere werden, wenn gekochte Gerichte über längere Zeit bei Raumtemperatur stehen, leicht verderbliche Waren nach dem Einkauf nicht schnell genug gekühlt werden oder Speisen mit verunreinigtem Wasser zubereitet wurden.
Auch offene Buffets, Straßenverkauf und Mahlzeiten am Strand können ein erhöhtes Risiko darstellen, wenn Lebensmittel nicht ausreichend gekühlt oder vor Insekten, Staub und direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist ebenfalls darauf hin, dass die Gefahr von Lebensmittelinfektionen in der warmen Jahreszeit steigt, wenn Speisen nicht durchgehend gekühlt und tierische Produkte nicht ausreichend erhitzt werden.
Hände mindestens 20 Sekunden mit Seife waschen
Ein erheblicher Teil der Krankheitserreger kann über ungewaschene Hände auf Lebensmittel, Besteck, Schneidebretter und Arbeitsflächen gelangen.
Uzun empfiehlt, die Hände vor der Zubereitung von Speisen, nach dem Toilettengang und besonders nach dem Kontakt mit rohem Fleisch, Geflügel, Fisch oder Eiern gründlich zu reinigen.
Die Hände sollten mindestens 20 Sekunden lang mit Seife gewaschen werden. Dabei dürfen Fingerzwischenräume, Fingerspitzen, Nagelränder, Handrücken und Handgelenke nicht vergessen werden.
Das bloße Abspülen mit Wasser reicht nicht aus. Nach dem Waschen sollten die Hände mit einem sauberen Tuch oder einem Einmalhandtuch sorgfältig getrocknet werden.
Auch Küchenschwämme, Reinigungstücher und Handtücher müssen regelmäßig gewechselt oder bei geeigneter Temperatur gewaschen werden. Feuchte und über längere Zeit verwendete Schwämme können selbst zu einer Quelle von Mikroorganismen werden.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt ebenfalls, die Hände vor der Verarbeitung roher Lebensmittel und nach dem Kontakt mit ihnen 20 Sekunden lang mit Seife zu waschen.
Rohe und gegarte Lebensmittel konsequent trennen
Werden Krankheitserreger von einem Lebensmittel auf ein anderes übertragen, sprechen Fachleute von einer Kreuzkontamination.
Sie kann entstehen, wenn für rohes Fleisch und einen verzehrfertigen Salat dasselbe Messer oder Schneidebrett verwendet wird. Auch ungewaschene Teller, Grillzangen, Arbeitsflächen und Hände können Mikroorganismen weitergeben.
Für rohes Fleisch, Geflügel und Fisch sollten möglichst eigene Schneidebretter und Küchenutensilien verwendet werden. Verzehrfertige Lebensmittel wie Brot, Salat, Obst oder gekochte Speisen dürfen nicht mit rohen tierischen Produkten in Kontakt kommen.
Im Kühlschrank sollten Fleisch- und Fischprodukte in geschlossenen Behältern und möglichst im unteren Bereich aufbewahrt werden. Dadurch lässt sich verhindern, dass austretende Flüssigkeit auf andere Lebensmittel tropft.
Gegartes Fleisch darf nicht auf denselben ungewaschenen Teller zurückgelegt werden, auf dem es zuvor roh lag. Alle verwendeten Flächen und Gegenstände sollten nach dem Kontakt mit rohen Produkten gründlich mit warmem Wasser und Spülmittel gereinigt werden.
Offizielle Empfehlungen des BfR sehen ebenfalls getrennte Küchenutensilien für rohe, gegarte und ohne weiteres Erhitzen verzehrte Lebensmittel vor.
Fleisch vollständig garen und Speisen schnell kühlen
Unzureichendes Erhitzen kann dazu führen, dass schädliche Mikroorganismen im Inneren eines Lebensmittels überleben.
Besonders bei Geflügel, Hackfleisch, Frikadellen, dicken Fleischstücken und Fisch sollte darauf geachtet werden, dass das Produkt vollständig gegart ist. Eine gebräunte Oberfläche bedeutet nicht immer, dass auch das Innere eine sichere Temperatur erreicht hat.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, Lebensmittel an allen Stellen für mindestens zwei Minuten auf mindestens 70 °C zu erhitzen. Warmgehaltene Speisen sollten an allen Stellen eine Temperatur von mindestens 60 °C aufweisen.
Gekochte Mahlzeiten sollten im Sommer nicht länger als zwei Stunden bei Raumtemperatur stehen. Bei besonders hohen Temperaturen empfiehlt Uzun, Speisen möglichst innerhalb einer Stunde in den Kühlschrank zu stellen.
Große Mengen können zum schnelleren Abkühlen auf mehrere flache Behälter verteilt werden. Der Kühlschrank sollte zugleich nicht so dicht gefüllt sein, dass die kalte Luft nicht mehr zirkulieren kann.
Speisen sollten nicht durch Probieren auf ihre Sicherheit geprüft werden. Aufgeblähte Verpackungen, undichte Behälter, geöffnete Deckel oder auffällige Veränderungen von Farbe und Konsistenz sind Gründe, das Produkt nicht zu verzehren.
Kühlkette erhalten und Tiefkühlkost richtig auftauen
Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Geflügel und andere leicht verderbliche Lebensmittel sollten beim Einkauf möglichst zuletzt in den Wagen gelegt und nach der Rückkehr sofort gekühlt werden.
Bei längeren Fahrten können Kühltaschen und Kühlakkus helfen. Lebensmittel dürfen im Sommer nicht über längere Zeit in einem aufgeheizten Fahrzeug oder in direkter Sonne liegen bleiben.
Das Bundeszentrum für Ernährung empfiehlt, leicht verderbliche Waren an warmen Tagen in einer Kühltasche zu transportieren und unmittelbar nach dem Einkauf in den Kühlschrank zu legen.
Tiefgekühlte Produkte sollten nicht stundenlang auf der Küchenarbeitsplatte auftauen. Während das Innere noch gefroren ist, kann sich die Außenseite bereits so stark erwärmen, dass sich Bakterien schnell vermehren.
Sicherer ist das Auftauen im Kühlschrank oder mit einem geeigneten Mikrowellenprogramm, wenn die Speise anschließend sofort zubereitet wird.
Nach dem Auftauen sollten Fleisch, Geflügel und Fisch zeitnah verarbeitet werden. Auftauwasser muss sorgfältig entsorgt werden, da es Krankheitserreger enthalten und Küchenflächen verunreinigen kann.
Obst, Gemüse und Verpackungen sorgfältig kontrollieren
Obst und Gemüse können während des Anbaus, der Bewässerung, des Transports oder der Lagerung mit Mikroorganismen in Kontakt kommen.
Produkte, die roh verzehrt werden, sollten daher gründlich unter fließendem Wasser gereinigt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt Salatblättern, Kräutern und anderen Lebensmitteln, an denen Erde oder Schmutz haften kann.
Das Waschen mit sauberem Wasser reduziert Verunreinigungen, ersetzt jedoch nicht die hygienische Lagerung und Zubereitung.
Vor dem Kauf sollten das Verbrauchsdatum, die Verpackung und die Lagerbedingungen kontrolliert werden. Ein noch nicht überschrittenes Datum garantiert keine Sicherheit, wenn die Kühlkette zuvor unterbrochen wurde.
Aufgeblähte Dosen, beschädigte Verpackungen, undichte Behälter oder Produkte mit ungewöhnlicher Farbe und Konsistenz sollten nicht gekauft oder gegessen werden.
Bei offen angebotenen Speisen ist darauf zu achten, ob kalte Produkte tatsächlich gekühlt und warme Gerichte ausreichend heiß gehalten werden. Milchhaltige Desserts, Fleischgerichte, Mayonnaiseprodukte und Meeresfrüchte sind bei falscher Lagerung besonders empfindlich.
Unsicheres Wasser und Eiswürfel können Keime übertragen
Verunreinigtes Wasser kann Bakterien, Viren und Parasiten enthalten. In Regionen, in denen die Qualität des Leitungswassers unsicher ist, sollten verschlossene Flaschen oder fachgerecht aufbereitetes Wasser verwendet werden.
Auch Eiswürfel sind nur so sicher wie das Wasser, aus dem sie hergestellt wurden. Zusätzlich kann es bei Herstellung, Transport, Lagerung oder Ausgabe zu Verunreinigungen kommen.
Uzun rät deshalb insbesondere in Urlaubsregionen zu Vorsicht bei Getränken mit Eiswürfeln.
„Getränke sollten möglichst ohne Eis konsumiert werden“, sagte der Mediziner.
Bei abgefülltem Wasser sollte geprüft werden, ob der Verschluss unbeschädigt ist. Idealerweise wird die Flasche unmittelbar vor dem Verbraucher geöffnet.
Auch beim Zähneputzen, Waschen von Lebensmitteln oder Zubereiten von Getränken sollte nur Wasser verwendet werden, dessen hygienische Qualität als sicher gilt.
Trinkflaschen müssen regelmäßig gereinigt und vollständig getrocknet werden. Werden sie immer wieder aufgefüllt, ohne gereinigt zu werden, können sich im Inneren Mikroorganismen ansammeln.
Bei Meeresfrüchten und Straßenessen besonders aufmerksam sein
Muscheln, Austern und andere Meeresfrüchte können schwere Vergiftungen verursachen, wenn sie aus belasteten Gewässern stammen oder nicht ausreichend gekühlt werden.
Im Sommer sollten Produkte, deren Herkunft, Frische oder Lagerbedingungen nicht zuverlässig beurteilt werden können, nicht verzehrt werden.
Dies gilt auch für Fleisch-, Milch- und Fischprodukte, die über längere Zeit offen an Straßenständen, Stränden oder nicht ausreichend gekühlten Buffets angeboten werden.
Ein angenehmer Geruch oder ein normales Aussehen ist kein sicherer Beweis für hygienische Unbedenklichkeit.
Verbraucher sollten deshalb zuverlässige Betriebe wählen und prüfen, ob leicht verderbliche Produkte geschützt, gekühlt und hygienisch ausgegeben werden.
Kinder unter fünf Jahren gehören nach Angaben der WHO zu den besonders stark betroffenen Gruppen. Auch ältere Menschen, Schwangere und Personen mit geschwächtem Immunsystem können bei lebensmittelbedingten Erkrankungen ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben.
Die zwölf Schutzregeln im Überblick
- Hände mindestens 20 Sekunden lang mit Seife waschen.
- Rohe und gegarte Lebensmittel voneinander trennen.
- Fleisch, Geflügel und Fisch vollständig durchgaren.
- Gekochte Speisen nicht lange bei Raumtemperatur stehen lassen.
- Die Kühlkette beim Einkauf und Transport einhalten.
- Obst und Gemüse gründlich unter fließendem Wasser waschen.
- Verbrauchsdaten, Verpackungen und Lagerbedingungen kontrollieren.
- Bei offen verkauften Lebensmitteln auf Hygiene und Kühlung achten.
- Auf Eiswürfel verzichten, wenn die Qualität des verwendeten Wassers unbekannt ist.
- Tiefgekühlte Lebensmittel im Kühlschrank oder kontrolliert in der Mikrowelle auftauen.
- Ausschließlich Wasser aus zuverlässigen Quellen trinken und verwenden.
- Meeresfrüchte nicht verzehren, wenn Frische und Herkunft zweifelhaft sind.
Uzun betonte, dass sich ein großer Teil der Lebensmittelvergiftungen durch einfache Vorsichtsmaßnahmen verhindern lasse. Handhygiene, sichere Lebensmittel, ausreichendes Erhitzen und geeignete Lagerbedingungen bildeten dabei die wichtigsten Grundlagen.
TraumDeutung24.Net
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