Stille Herzerkrankung: Diese kleinen Warnzeichen nicht übersehen
Herzkrankheiten beginnen nicht immer mit starken Brustschmerzen. Nachlassende Belastbarkeit, Atemnot, Herzklopfen und Müdigkeit können Warnzeichen sein.
Bilge Türk | Traumdeutung
ISTANBUL, TÜRKEI — Herzerkrankungen beginnen nicht immer mit starken Brustschmerzen: Langsameres Treppensteigen, ungewohnte Erschöpfung, kurze Herzrasen-Episoden und eine abnehmende Belastbarkeit können frühe Warnzeichen sein.
Viele Menschen passen ihren Alltag unbewusst an körperliche Veränderungen an. Sie gehen weniger zu Fuß, benutzen häufiger den Aufzug, machen mehr Pausen oder vermeiden anstrengende Tätigkeiten. Dadurch kann ein schleichender Leistungsabfall mit der Zeit als normal empfunden werden.
Prof. Dr. Burak Onan von der Abteilung für Herz- und Gefäßchirurgie des Memorial Bahçelievler Krankenhauses erklärte, dass Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße über längere Zeit ohne eindeutige Beschwerden fortschreiten können. Sich gesund zu fühlen bedeute daher nicht zwangsläufig, dass keinerlei Herz-Kreislauf-Problem vorliege.
„Stille Herzerkrankung“ ist keine einzelne medizinische Diagnose
Der Ausdruck „stille Herzerkrankung“ bezeichnet keine klar definierte Einzelerkrankung. Gemeint sind unterschiedliche Herz- und Gefäßprobleme, die zunächst keine auffälligen Beschwerden verursachen oder deren frühe Hinweise übersehen werden.
Dazu können Verengungen der Herzkranzgefäße, bestimmte Herzklappenerkrankungen, Herzrhythmusstörungen und Erweiterungen der Hauptschlagader gehören. Einige dieser Veränderungen werden zufällig bei einer Routineuntersuchung, einer Blutdruckkontrolle, einer Operationsvorbereitung oder einer aus anderem Anlass durchgeführten Bildgebung entdeckt.
Das bedeutet nicht, dass jede beschwerdefreie Person herzkrank ist. Es zeigt vielmehr, dass das Fehlen starker Schmerzen allein eine Erkrankung nicht zuverlässig ausschließt. Alter, familiäre Vorbelastung, Begleiterkrankungen und Veränderungen im Alltag müssen gemeinsam betrachtet werden.
Entscheidend ist die Veränderung gegenüber dem eigenen Normalzustand
Ein einzelner anstrengender Tag oder vorübergehende Müdigkeit nach wenig Schlaf ist noch kein Beweis für eine Herzerkrankung. Medizinisch bedeutsamer sind wiederkehrende oder zunehmende Veränderungen gegenüber der bisherigen Leistungsfähigkeit.
Wer früher mehrere Stockwerke problemlos bewältigte und nun eine Pause einlegen muss, sollte diese Veränderung beobachten. Gleiches gilt, wenn bekannte Wege plötzlich anstrengender werden, alltägliche Arbeiten mehr Zeit benötigen oder körperliche Aktivitäten unbewusst vermieden werden.
Mögliche Hinweise sind:
- ungewöhnlich schnelle Erschöpfung,
- Atemnot bei gewöhnlicher Belastung,
- Druck, Enge oder Unbehagen im Brustbereich,
- wiederkehrendes Herzklopfen oder Herzrasen,
- Schwindel oder Beinahe-Ohnmacht,
- geschwollene Füße und Knöchel,
- eine deutlich geringere Belastbarkeit.
Kurzatmigkeit, Müdigkeit und Flüssigkeitseinlagerungen gehören unter anderem zu den möglichen Zeichen einer Herzschwäche. Neue oder zunehmende Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden.
Solche Symptome können allerdings auch andere Ursachen haben, etwa Blutarmut, Schilddrüsenstörungen, Lungenerkrankungen, Infektionen, Schlafmangel, Angst oder einen allgemeinen Konditionsverlust. Eine Selbstdiagnose anhand einzelner Symptome ist deshalb nicht zuverlässig.
Nicht jede Herzerkrankung verursacht typische Brustschmerzen
Eine Verengung der Herzkranzgefäße kann sich durch den bekannten Druck oder Schmerz hinter dem Brustbein bemerkbar machen. Bei manchen Betroffenen äußert sie sich jedoch eher durch Kurzatmigkeit, Leistungsschwäche oder ungewöhnliche Erschöpfung während körperlicher Belastung.
Herzklappenerkrankungen können schleichend zu Atemnot, Schwindel und zunehmender Erschöpfung führen. Bei langsam fortschreitenden Beschwerden passen Menschen ihre Aktivitäten häufig an, ohne den Grund dafür zu erkennen.
Herzrhythmusstörungen können als schnelles, unregelmäßiges, flatterndes oder besonders kräftiges Herzklopfen wahrgenommen werden. Mögliche Begleiterscheinungen sind Müdigkeit, Atemnot, Schwindel, Schwäche und ein Gefühl drohender Ohnmacht. Manche Rhythmusstörungen verursachen dagegen keine spürbaren Symptome und werden erst bei einem EKG entdeckt.
Auch eine Erweiterung der Aorta kann lange unbemerkt bleiben. Deshalb existiert kein einzelnes Warnzeichen, das bei allen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gleichermaßen auftritt.
Herzklopfen ist häufig harmlos, aber nicht immer
Kurze Episoden von Herzklopfen können durch Stress, Aufregung, Schlafmangel, Koffein oder körperliche Belastung ausgelöst werden. Gelegentliche Palpitationen bedeuten daher nicht automatisch, dass eine gefährliche Rhythmusstörung vorliegt.
Ärztlich untersucht werden sollten sie jedoch, wenn sie neu auftreten, deutlich zunehmen, länger anhalten oder gemeinsam mit Brustbeschwerden, Kurzatmigkeit, Schwindel oder Ohnmacht auftreten.
Die American Heart Association weist darauf hin, dass eine Veränderung gegenüber dem bisherigen Zustand eine Abklärung rechtfertigt. Besonders Herzklopfen in Verbindung mit Schwindel, Atemnot, Brustschmerzen oder Bewusstseinsverlust sollte zeitnah medizinisch beurteilt werden.
Auch Angst- und Panikzustände können Herzklopfen, Atemnot und Brustbeschwerden verursachen. Da sich einige Symptome mit denen eines Herzinfarkts überschneiden, sollten plötzlich auftretende oder ungewohnt starke Beschwerden nicht vorschnell als psychisch bedingt eingeordnet werden.
Menschen mit Risikofaktoren sollten besonders aufmerksam sein
Das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen steigt unter anderem bei Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht. Auch höheres Alter und eine familiäre Häufung früh auftretender Herzerkrankungen sind für die persönliche Risikobewertung relevant.
Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich, wenn bereits eine Herzkrankheit diagnostiziert wurde, ein Stent eingesetzt, eine Herzoperation durchgeführt oder eine Veränderung an einer Herzklappe festgestellt wurde.
Kontrolltermine sollten auch dann eingehalten werden, wenn keine Beschwerden bestehen. Bei manchen Erkrankungen richtet sich der richtige Behandlungszeitpunkt nicht ausschließlich nach den Symptomen, sondern auch nach messbaren Veränderungen der Herzstruktur und Herzfunktion.
Ein subjektiv gutes Befinden kann daher nicht immer eine Echokardiografie, Rhythmuskontrolle oder andere ärztlich empfohlene Verlaufskontrollen ersetzen.
Herzuntersuchungen müssen individuell geplant werden
Eine Herzvorsorge sollte nicht als festes Paket verstanden werden, bei dem jede Person sämtliche verfügbaren Untersuchungen erhält.
Am Anfang stehen gewöhnlich das ärztliche Gespräch, eine körperliche Untersuchung, die Blutdruckmessung und je nach Risikoprofil ausgewählte Blutuntersuchungen.
Ein Elektrokardiogramm kann den Herzrhythmus beurteilen. Eine Echokardiografie liefert Informationen über Herzklappen, Herzkammern und Pumpfunktion. Abhängig von den Beschwerden können außerdem ein Belastungs-EKG, eine längerfristige Rhythmusaufzeichnung oder weiterführende bildgebende Untersuchungen sinnvoll sein.
Moderne europäische Leitlinien empfehlen, Alter, Geschlecht, Beschwerden und individuelle Risikofaktoren gemeinsam zu berücksichtigen, bevor weiterführende Untersuchungen auf eine mögliche koronare Herzkrankheit geplant werden.
Nicht jede beschwerdefreie Person benötigt jedes Untersuchungsverfahren. Ziel ist es, ein relevantes Risiko rechtzeitig zu erkennen, ohne unnötige Diagnostik durchzuführen.
Hilfreich ist es, vor dem Arzttermin zu notieren, wann die Beschwerden begonnen haben, wie lange sie dauern, ob sie bei Belastung auftreten und welche Begleiterscheinungen bestehen.
Kleine Anpassungen im Alltag können Beschwerden verdecken
Ein schleichender Leistungsabfall wird manchmal deshalb spät erkannt, weil Betroffene ihr Verhalten anpassen.
Wer bei einem Spaziergang immer früher umkehrt, häufiger Pausen macht oder schwere Einkäufe vermeidet, erlebt möglicherweise weniger Beschwerden. Dadurch kann der Eindruck entstehen, das Problem habe sich gebessert, obwohl lediglich die Belastung reduziert wurde.
Eine hilfreiche Frage lautet daher nicht nur: „Habe ich Schmerzen?“, sondern auch:
„Kann ich heute noch dieselben alltäglichen Tätigkeiten ausführen wie vor einigen Monaten?“
Wenn die Antwort wiederholt negativ ausfällt, sollte die Ursache untersucht werden. Dies gilt besonders, wenn Atemnot, Druckgefühl, Herzklopfen oder Schwindel hinzukommen.
Der persönliche Verlauf ist oftmals aussagekräftiger als ein isoliertes Symptom an einem einzigen Tag.
Bei diesen Warnzeichen ist sofortige Hilfe erforderlich
Plötzliche oder starke Brustschmerzen, ein länger anhaltender Druck in der Brust, akute Atemnot, Bewusstlosigkeit oder kalter Schweiß können auf einen medizinischen Notfall hinweisen.
Zu den möglichen Warnzeichen eines Herzinfarkts gehören Beschwerden in der Brustmitte, Schmerzen oder Unbehagen in einem oder beiden Armen, im Rücken, Nacken, Kiefer oder Oberbauch sowie Atemnot, Übelkeit, Schwindel und ungewöhnliche Schwäche. Die Beschwerden können stark sein, aber auch zunächst vergleichsweise mild beginnen.
Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sollte nicht abgewartet werden, ob die Symptome von selbst verschwinden. Betroffene oder anwesende Personen sollten sofort den Rettungsdienst verständigen.
Auch eine Ohnmacht kann harmlos sein, aber ebenso auf eine Herzrhythmusstörung oder eine andere zugrunde liegende Erkrankung hindeuten. Besonders eine Bewusstlosigkeit bei körperlicher Belastung oder in Verbindung mit Herzklopfen und Brustbeschwerden muss dringend untersucht werden.
Herzgesundheit bedeutet deshalb nicht nur, auf Schmerzen zu achten. Auch kleine, aber dauerhafte Veränderungen der Belastbarkeit können wichtige Hinweise liefern.
Wer seinen normalen Alltag plötzlich nur noch mit mehr Pausen, weniger Bewegung oder deutlicher Anstrengung bewältigt, sollte diese Entwicklung nicht allein dem Alter oder Stress zuschreiben.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen medizinischen Information und ersetzt keine individuelle Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei plötzlichen Brustschmerzen, schwerer Atemnot oder Bewusstlosigkeit ist sofort medizinische Hilfe erforderlich.
TraumDeutung24.Net
What's Your Reaction?
Like
0
Dislike
0
Love
0
Funny
0
Wow
0
Sad
0
Angry
0
Comments (0)